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Alles
von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, o so
liebtet ihr die Welt, – ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh1) sprecht ihr: Vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will – Ewigkeit!
Friedrich Nietzsche »Also sprach Zarathustra«
Imma
des Söwe: Trost oder Drohung?
»Denn
was gilt uns der Erfolg? ...« - frägt Trudbert Quapil-Wenzl
v. Auhof im
ersten Band seines dreibändigen Hauptwerkes »Schiffe
auf schiefen Ebenen!« auf
Seite dreihundertsechsundsiebzig im zweiten
Absatz oben, »Denn was gilt uns der
Erfolg? Allemal noch mehr als
die Liebe, auch wenn uns diese Alles ist ...«
Nun,
wie auch immer, das vorliegende Werk versammelt ältere und neuere
Eigenkompositionen,
verwordaglte Interpretationen, Umdichtungen, Nachdichtungen
und Neudichtungen
längst kanonisierten Liedguts, jahrelang auf allen
wienerischsprachigen
Bühnen der Welt geprobtes sowie zwei tiefe Verbeugungen vor
Ernst Kölz
und dem seligen Joe Berger (»Heißen in Kuba« & »Couplet«).
Aber auch Ungeprobtes wird nun endlich einer geneigten und hoffentlich besseren
Nachwelt mit der höflichen Bitte um gefällige Kenntnisnahme gestellverfügt: z.B. die
von Kennerinnen wie auch Kennern gefürchteten »Schulagschdanzln«,
eine Sammlung
von siebenhundertfünfundvierzig Vierzeilern, mit deren
Verfassung wir im Laufe des
vergangenen Jahres, angeregt von Roland Joseph
Leopold Neuwirths Internetklasse bei
der Schule für Dichtung sfd.at,
ausschließlich befasst waren, wurden auf ein
beinahe erträgliches
Maß zusammengestutzt und auf die ganze Kompaktdiskette gerecht
verteilt
(Gießkannenprinzip); und die ungekürzte, weil unstutzbare siebenminütige
Meditation Ein
schöner Tag, die hier erstmals einer breiteren
Öffentlichkeit gratis
(da im Kaufpreis nicht enthalten) zugänglich
gemacht wird;
und das sommerhitverdächtige »Iwaroi wochsn d
Hoa«, eine schonungslose Analyse
der momentanen politischen Mehrheitsverhältnisse
in Österreich; und die herzergreifende
Barockballade Zizalweis,
wo über die Art der Ziehung der daraus durchaus in Betracht
zu ziehenden
Konsequenz ausführlichst nachgedacht wird; und »If Jesus is
busy«, ein
Glaubensbekenntnis, verfasst in einem sehr internationalen
Englisch, das, seit wir damit
das österreichische Kulturzentrum in
New York eröffnen durften, von Heilsarmisten
weltweit als neue Geheimwaffe
geschätzt und gesungen wird; und das von Franz Mika
in den Neunzehnzwanzigerjahren
gezeichnete »Stillebm«, dessen hintergründige
Obszönität
sich nur ständig (?) an das Eine denkenden Schelminnen und Schelmen
erschließt; und »Schaas mid Gwastln«, ein in Vico Torrianischer
Manier gesungenes
Kochrezept; und von dem allen abservierten Oberkellnern
gewidmeten Lied A Haus mid launga Dradidsion kann leider nur
der Text (zum Selbersingen)
veröffentlicht werden, da unsere Anfrage
bezüglich der Rechte für die Melodie
(Lied der Pippi Langstrumpf)
leider von der FilmkunstVerlag GmbH ohne Angabe
von Gründen abschlägig
beantwortet wurde; und, und, und,
Und
der 63er ist ein guter Jahrgang, mit einem ausgeprägten Hang zum
Süden und
einem hoffentlich kurzen und schmerzlosen Abgang; und Alles
wird gut, wenn wir nur
nicht den Hut draufhaun, sondern ihn - mit zurückgeworfenem
Kopf wie ein Pianist -
in der einen oder anderen Hand tragen.
Aber: Nicht jede/jeder, die/der sauft, ist eine/ein Kollegin/Kollege!
Prost!
- Trost oder Drohung?
Es
is Imma des Söwe: Es Schbüd si O, ma wiad Oid und Blad
und Bessa
Wiads Nimma!
»Das
Leben ist uns leicht geworden, am leichtesten, wenn es das Schwerste von
uns
verlangte. Wer uns in den Tagen dieses Winters gesehn hat, wo wir,
ohne Unterbrechung, lauter Sachen ersten Ranges gemacht haben, die kein
Mensch
uns nachmacht - oder vormacht, mit einer Verantwortlichkeit für
alle Jahrtausende nach
uns, wird keinen Zug von Spannung an uns wahrgenommen
haben, um so mehr eine
überströmende Frische und Heiterkeit.
Wir aßen nie mit angenehmeren Gefühlen, wir schliefen nie besser.
Wir kennen keine andere Art, mit großen Aufgaben zu verkehren, als
das Spiel:
dies ist, als Anzeichen der Größe, eine wesentliche
Voraussetzung. Der geringste Zwang, die düstre Miene, irgendein harter
Ton im Halse sind alles
Einwände gegen einen Menschen, um wieviel
mehr gegen sein Werk!
Friedrich Nietzsche Ecce Homo »Warum ich so klug bin«
1)We, der, »Weh«, nicht leistungsfähige Person, die es duldet, dass sie verachtet wird.
Syn. s. Suarm. Nach dem »Wörterbuch der Wiener Mundart« Maria Hornung ÖBV 1998.
presse:
Imma des Söwe, also: stets dasselbe, nennt das famose Trio sein neues Album, und
das ist nicht nur Koketterie, denn hier geht es in der Tat immer ums Saufn, Speisn,
Schnacksln und Sterm (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Damit die Lebensart des
semifreudigen Fatalismus Viennoise endlich auch international Beachtung findet,
»singt« man einen Regionalklassiker (»waun da heagod ned wü«) auch in
»englischer Sprache« : »If Jesus Is Busy« - fuckin´ unbelieveable.
Die Verarbeitungsarten von totem Tier werden einigermaßen flächendeckend erwähnt,
die Weinflaschen singen »es wird ein wein sein, und ia weads nimma sein«, aber
dennoch will man das »Banklreißn« eher »pomali« angehen. Schließlich bleiben auch
die tiefsten Schubladen nicht ungeöffnet (sogt da hiaschal zum mulia ...) - da sorgt der
grenzgeniale Gstanzldichter W.V.Wizlsperger verlässlich dafür, der endlich mal mit dem
Ernst-Jandl- oder dem Büchner-Preis ausgezeichnet gehörte.
So welthaltig war Wien schon lange nicht mehr. Weltmusik? Wödmusi!
Klaus Nüchtern, Falter 21/04
Positiv Trinken!
Das larmoyante, stets zum Genuss strebende, gesellschaftlichen Stillstand nur zu gerne
duldende Wiener Wesen fängt seit Helmut Qualtinger sel. niemand besser ein als das
Kollegium Kalksburg. Die neuen Kleinodien pendeln thematisch zwischen allen
vorstellbaren oralen Vergnügungen, äugen auch mutig in die metaphysische Schlucht.
Unter Berufung auf Vico Torrianis »Klingende Kochrezepte« schritt man, voll im Trend
von Zacherls einfacher Küche, zur Vertonung des Rezepts »Schas mit Quasteln«.
Weiters philosophiert der scheniale Textdichter/Sänger W. Vincenz Wizlsperger über
müde Schutzengel, Gesichtswäschen im Bidet und rätselhafte Vorgänge in
Schankbetrieben. Im Bewusstsein der »Power of Positive Drinking« (Lou Reed)
schrammeln Heinz Ditsch und Paul Skrepek elegant taumelnde Musik dazu.
Begeisternd: Zizalweis, ein Hohelied aufs langsame Sterben, und zwei Hommagen
an den unvergessenen Wiener B'suff Joe Berger. Empfehlung!
Samir H. Köck, Die Presse 5.Juni 2004
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